Christus auf dem Thron seiner Herrlichkeit, umgeben von vier hochbetagten Mönchen - der Maler rückt mit dieser Miniatur weit in die Zeit der Kirche vor. Der Betrachter kann die Mönche für seine Zeitgenossen halten -, ihr Bild mit dem verherrlichten Christus soll er zusammen mit dem Christus über dem alttestamentlichen 'Thronwagen Gottes' sehen. Die Zusammenhänge, in denen Christus in seiner Herrlichkeit auf dieser Doppelseite erscheint, könnten kaum verschiedener gewählt sein. Doch die besondere Gloriole um beide Christusgestalten bezeichnet sie bedeutungsgleich als Erscheinungen Gottes.
Beide Miniaturen illustrieren: Christus zeigt sich seinen Jünger, seinen Freunden - und sie erkennen ihn mit Gewißheit. Beide Male ereignet sich die Begegnung vom WORT des Evangeliums her. Die Thronwagen-Miniatur illustriert die verheißene Wiederkunft Christi als sein personales Kommen im Wort des Evangeliums, das er selbst weiterspricht - in den Worten der vier Evangelisten.
Die Miniatur mit den vier Mönchen variiert das Thema: Christus läßt sich ‚sehen' mitten unter den Menschen, die sein Wort wahrhaft lieben und heilig halten. Die Mönche halten das Evangelienbuch an ihr Herz und hüten es als ihren kostbarsten Schatz. Sie repräsentieren die Freunde Christi, die mit seinem Wort vertraut sind und unaufdringlich seine verwandelnde Kraft bezeugen. Zum Betrachter hin präsentieren sie das Evangelienbuch - nicht im Sinne einer Übergabe konkreter Bücher, sondern als geistigen Schatz, als Quelle personaler Offenbarung Jesu Christi. Die vorne stehenden Mönche orientieren sich mehr zum Betrachter hin - die hinter ihnen stehenden wirken bestärkend und lenkend auf die vorderen ein. Sie blicken mit Scheu zur Mitte hin, wo sich das Ewige Wort des Uranfangs (Joh 1,1) neuerlich offenbart - ihnen und durch sie anderen -, das Wort, das Fleisch wurde (Joh 1,14), ein Lebendiger -, der Auferstandene.
Ein Arkadenbogen besonderer Schönheit ist der Ort, an dem hier der Thron der Herrlichkeit des Menschensohnes steht. Man würde den Ort für ein Sanktuarium halten, wenn er nicht in frischem Grün und zartem Blütenschmuck eines Gartens stünde. Gerade der Garten öffnet den Blick für eine andere Bedeutung dieses Ortes der Christusoffenbarung - er verwandelt in die neue Schöpfung, er wird jenen, die dort 'wohnen', zum Paradies.


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