Der Marienseite gegenüber sind die Gelehrten Ammonius von Alexandria und Eusebius von Cäsaräa in das Evangelienbuch aufgenommen - unter goldgedecktem Doppelportal! Die Zuordnung der zwei Gelehrten zur Gestalt der Maria-Kirche scheint ihren Dienst am WORTE GOTTES zu würdigen: Maria präsentiert das Mensch gewordene WORT zu gläubiger Verehrung auf ihrem Arm. Ammonius (um 245) und Eusebius (um 330) mühen sich um eine Form, SEIN WORT SELBST verständlich zu präsentieren, damit man es kennenlerne: Sie entwickeln die Frühform der Synopse - ein übersichtliches System, die vier Evangelientexte mit ihren Parallelfassungen vergleichend lesen und der Fülle ihrer Botschaft überhaupt gewahr werden zu können. Ihrer Überzeugungsarbeit ist zu verdanken, daß eine verbindliche Form der Präsentation und Überlieferung des WORTES GOTTES im Evangelium gefunden und in der bis heute selbstverständlichen Fassung gesichert wurde. Damals war sie ernsthaft in Frage gestellt - die Einheit der vier selbständigen Einzelevangelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Beide Gelehrte erweisen sich als Hüter der unverkürzten Wahrheit dieses Evangeliums, das von Augenzeugen des Lebens Jesu und ihren ersten Nachfolgern in der Kraft Heiligen Geistes als GOTTES WORT aufgeschrieben worden war.
Das schmucklose Mönchsgewand, das beide tragen, obwohl sie nicht Mönche waren, scheint über Tatkraft und Gelehrsamkeit hinaus die Frömmigkeit ihrer Glaubensreflexion und die Lauterkeit ihrer Absicht zu würdigen. Die auffallende Pracht, in der die Pfauen die volle Schönheit ihres mit 'Augen' übersäten Schwanzgefieders entfalten, muß sich in ihrer Symbolik auf die Botschaft des WORTES GOTTES im Evangelium beziehen (s. Tag 18). Sie bezeugen:
Über das irdische Leben Jesu hinaus bleibt SEIN WORT das Wort eines Lebendigen, der den Weg zum ewigen Leben weist. Gerade im vierfachen Evangelium, wie Ammonius und Eusebius es wortgetreu präsentieren und zu lesen lehren, läßt sich dieses Leben finden!
Die Miniaturen am Beginn des Evangeliums deuten den Gehalt der Worte, die das gesamte Buch füllen. Der Leser soll wissen: In diesen Worten darf er die Offenbarung Christi erwarten, IHN selbst.


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