Das Bild eines 'Sanktuariums' - es erwartet den Betrachter beim Umwenden des Blattes mit der Wahl des Apostels Matthias auf einer beidseitig illustrierten Doppelseite. Unter einem schlanken, hochaufragenden Doppelportal steht, wie in die Tiefe des Raumes gerückt, die Gottesmutter auf edelsteingeziertem goldenen Podest und hält dem Betrachter ihr Kind entgegen - Jesus. Die Miniatur ist der Verehrung der Menschwerdung Gottes aus einer Frau gewidmet, aus Maria, sie verehrt die Unscheinbarkeit und Verborgenheit dieses unfaßlichen Ereignisses, sie zeigt das Klein-Werden des ewigen Gottes in Jesus Christus, seine geringe Gestalt in menschlicher Niedrigkeit in Mariens Arm. Noch kleiner ist das Buch in seinen Armen - sein leuchtender Buchdeckel aus reinem Gold scheint als Zentrum des Gesamtbildes angelegt zu sein - das Evangelium. In diesem Buch zeigt das Mensch gewordene WORT auf Mariens Armen sein Bleiben bei den Menschen durch alle Zeiten an: im WORT, im Buch des Evangeliums. Nach dem Ende seines Lebens auf der Erde setzt ER von dort her das Gespräch mit den Menschen, mit uns, fort. Im Paradox der Unscheinbarkeit seines Hervortretens zeigt ihn die Miniatur vor allem als einen Verehrungswürdigen.
Ein kleines Detail im Kopfschmuck Mariens - das Kreuzzeichen in dem Band, das um ihr Haupt gelegt ist - läßt Maria zugleich zum Bild der Kirche werden. Über ihrem Gewand liegt eine goldene Stola - Zeichen des Priestertums. Auch in ihre 'Arme' ist Christus gelegt. Auch sie hält ihn nicht sich selbst, sie hält ihn zur Verehrung dar - mit dem goldenen Buch in seinen Händen. Das ist ihr Dienst, ihr Zeugnis.
Die beiden Pfauen oberhalb des Sanktuariums - Symbole ewigen Lebens wegen der Vielzahl der 'Augen' in ihrem Schwanzgefieder - sind stille Zeugen dieses großen Mysteriums. Ihre Anwesenheit erhält erst von der Gegenseite her Licht.


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