Gegenüber dem Evangelistenbild des Matthäus ist auf Gegenseite deckungsgleich ein Purpurrechteck angelegt. Die beiden ersten Worte des Matthäusevangeliums sind mit goldenen Buchstaben darin eingetragen: "Liber generati(onis)" - "Buch der Abstammung" Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. Das gewaltige L öffnet sich als Lotosblüte mitten in das Purpurfeld hinein und verknotet sich an drei Seiten unlösbar mit dem Rahmen eines Binnenrechtecks, das seinerseits geschmückt in das Purpurfeld gestellt ist. Die Seite ist hochgradig symbolisch angelegt: Das Rechteck ist Erdsymbol, die Purpurfarbe bezeichnet die verhüllte Gegenwart des priesterlichen Königs Christus, das mächtige L kündet die Menschwerdung Christi an und stellt sie in ihrer verwandtschaftlichen Herkunft aus einer Familie dar - in unauflösbarer Verbindung also, die dreifache Verknotung des Buchstabens mit dem inneren Rechteckrahmen bezieht auch das Geheimnis göttlicher Dreifaltigkeit ein in Jesu Christi Verschmelzung mit der Menschheit. Nicht zuletzt: Die herrliche Blüte in der Mitte spielt an auf eine Prophetie des Isaias über den Messias und das Heil, das er bringen wird: "Ein Reis wird hervorgehen aus der Wurzel Jesse (d.i. der Stamm Davids) und ein Blütenzweig emporsteigen aus seiner Wurzel. Der Geist des Herrn wird auf ihm ruhen, ..." Is 11, 1-5
Die Heiligung der Erde -, die Heilung der Erde, ihre Neuerschaffung, ist das Thema, das der Maler dieser Schmuckseite zum Anfang des Matthäusevangeliums gibt - als Ziel der Menschwerdung. Er faßt darin auch den tiefsten Sinn des ganzen Evangeliums zusammen. Mit aufmerksamem Blick schaut der Engel über dem Evangelistenbild des Matthäus auf diese bedeutungsvolle Textschmuckseite.
In ähnlicher Schönheit variieren die Eingangsseiten der drei folgenden Evangelien das Thema, daß die Erde erfüllt ist von der Huld des Herrn. Die gleiche Nähe zur Deutung der Evangelienanfänge läßt sich nicht mehr herstellen.


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