Die Miniatur zeigt ein Stiftungsbild: Der Domherr Hillinus von Köln stiftet dem karolingischen Dom zu Köln ein Evangelienbuch. Die Übereignung wird rechtsgültig - und entsprechend dargestellt - als Geschenk an den Patron des Doms, den heiligen Petrus . Der Dom als irdischer Besitzer des Evangeliars ist als Kulisse in den Hintergrund gesetzt. Der Schutz des übereigneten Evangeliars ist dem Heiligen anvertraut, dem die Kirche geweiht ist - Petrus. Der ist auf seinem Thronsitz hinter dem 'Vorhang' als der bei Gott in der Ewigkeit Lebende kenntlich gemacht. Dennoch gilt der Heilige auf dieser Erde als Rechtsperson. Was ihm übereignet ist, wird zum Gut der Kirche, die ihm geweiht ist, und ist dem Schutz des Heiligen selbst übergeben.
Der Vergleich mit dem folgenden Evangelistenbild des Matthäus macht es sichtbar: Hillinus überschreitet in seiner Stiftung die Schwelle zur Transzendenz. Welche Gründe auch immer den Domherrn bewegten, dem Evangelienbuch das Stiftungsbild einzugliedern - auch sein Bild dokumentiert die Traditionskette, in der das Evangelium steht. Das Widmungsbild hält in Erinnerung: Es bedarf ständig der Zeugen, die Wege finden, der Überlieferung des Wortes Gottes zu dienen. Auch der Stifter, der ein Evangelienbuch schreiben läßt und dadurch zu seiner Verbreitung beiträgt, ist Zeuge des Wortes Gottes.


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