"Hebet, ihre Tore, eure Häupter, hebt euch, ihr uralten Pforten, und der König der Herrlichkeit zieht ein!" (Ps 24, 7.9) Die erhabenen Portale am Beginn der vier Evangelien signalisieren den 'Einzug' Gottes in das Evangelium! Das Evangelienbuch wird zum 'Ort', an dem er sich 'erreichbar' macht - allen, die ihn suchen.
Es scheint so, als ob der Maler nicht nur die Arkaden als Tore sehen wollte, durch die Gott 'in das Evangelienbuch einzieht'. Es gilt, seinem 'Einzug' in den Menschen den Weg zu bereiten. Die Gestalt des schreibenden Matthäus (Tag 11) mit ihren auffallend überhöhten Proportionen bezeichnet sicher die hohe Würde seines Auftrags, Gottes Wort als Evangelium aufzuschreiben. Bis in das obere Stockwerk der Arkade ragt sein Haupt! Aber in dieser Würde sind alle Evangelisten gleich. Von Bild zu Bild nimmt ihre 'Größe' jedoch ab, bis sie bei Johannes einen Seher erreicht, der im Empfang der Gottesoffenbarung sein Haupt erhebt: hörend und schauend. Ohne jegliche Schreibvorrichtung sitzt er, versunken allein in die Erkenntnis Gottes, die ihm zuteil wird. Seine Haltung könnte die jedes Gott suchenden Lesers des Evangeliums sein! Es scheint, daß die Bilder des Matthäus und Johannes, der Apostel-Evangelisten, selbst als 'Tore mit erhobenen Häuptern' zu verstehen sind. Nur so empfangen sie das Evangelium, das sie schreiben. Gleiches gilt auch für die prächtigen Initialbuchstaben selbst. In Zeichen der Schrift 'zieht' das WORT, das Gott ist (Joh 1,1), selbst in das Evangelienbuch 'ein'. Sie werden gleichsam zum 'Portal', das dem "König der Herrlichkeit" den Weg zu den Menschen bereitet: "Dies ist das Tor zum Herrn, Gerechte treten hier ein" (Ps 118, 20) -, jene, die die Gerechtigkeit suchen.


Hauptseite    voriger Kalendertag    nächster Kalendertag    letzter Kalendertag