Die Selbstverständlichkeit, mit der die vier Evangelisten als Einheit gedacht sind, macht dieses Kreisbild sichtbar. Unscheinbar wirkt es, doch es ist voller Symbolik. Einer Titelseite vergleichbar ist das Bild als Schmuckseite den sog. Kanontafeln vorangestellt, einer Folge von Tabellen, die die Parallelstellen der Evangelisten und ihr sog. Sondergut übersichtlich aufführen.
Ursprünglich war der Kranz ohne jede Textbeischrift auf purpurfarbenem Grund aufgebracht. Er ist vor diesem Hintergrund aufgeladen mit Zeichen, die die übersinnliche Gegenwart des höchsten Priesters, des höchsten Herrschers, des Vollkommenen und Ewigen, Unendlichen bedeuten. Als besondere Zier des Kranzes sind die Portraits der vier Evangelisten hervorgehoben. Als kleine Kunstwerke umgeben sie in schmuckvollen Medaillons die purpurne Kreismitte - im Zeichen eines Kreuzes! Das goldene Band des inneren Kreises schlingt sie zu einem Ganzen zusammen.Die erhobene Rechte kennzeichnet die Vier als 'Redner in Vollmacht', ihre Linke hält ein golden leuchtendes Evangelienbuch im Arm. Sie sprechen im Namen des Höchsten, im Namen dessen, der am Kreuze starb und auferstand und sich nun gegenwärtig erweist im Wort des Evangeliums.
Was in z.T. verschiedenen Worten und Akzenten die vier Evangelisten dennoch in Einheit von Gott bezeugen, hat eine gewisse Parallele in den ganzseitigen Miniaturen. Die neutestamentlichen Szenen, die dort als Streifenbilder im oberen Teil der Seiten stehen, sind je von vier alttestamentlichen 'Säulen' unterfangen und inhaltlich 'gestützt'. In diesen Säulen ragen je vier alttestamentliche Propheten über ein Hochrechteck hinaus, in dem ihre je eigenen Prophetenworte eingeschrieben sind. Mit ausgestreckter Rechten zeigen sie nach oben auf die neutestamentliche Szene hin und bezeugen gemeinsam und mit Entschiedenheit dieselbe Wahrheit: In Jesu Handeln ist ihr Prophetenwort erfüllt.


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