Spätestens das Bild des Lukas macht sichtbar, daß der Maler des Evangeliars nicht nur ein genialer Künstler, sondern Theologe gewesen ist. Das Lukasbild wird zum Schlüssel, die besondere Prägung der Evangelistenbilder zu verstehen. Sein Bild illustriert die Eingangsverse seines Evangeliums: Lukas richtet es an 'Theophilus' - 'Gottlieb', einen sonst unbekannten Adressaten, damit er sich selbst überzeugen könne von der Zuverlässigkeit der Überlieferung über Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi. Entsprechend zeigt das Bild einen Evangelisten, der einem Adressaten zugewandt sitzt - dem Leser 'Theophilus'. Lukas wirbt um sein Interesse für diese Botschaft. Seine Finger scheinen das nachforschende Lesen zu lehren, das der Evangelist im Umgang mit der gesamten Überlieferung des Evangeliums nahelegt. Liebevoll und entspannt sitzt er -, sein Mund bleibt stumm. Es gilt, das Wort des lebendigen Christus zu hören, der im Evangelium spricht. Gleich neben dem weit geöffneten Auge steht sein Ohr - in das Gesicht hineingerückt.
Wie den Lukas charakterisiert die Geste des Hin- und Herwendens des Buches auch die anderen Evangelistenbilder. Der Maler stellt sie als die großen Anreger zur Beschäftigung mit dem Evangelium vor. Ihre besondere Berufung als Zeugen, ihr Auftrag, die Überlieferung der Frohbotschaft zu festigen, ist hervorgehoben. Das Leuchten in den Gesichtern aller Evangelisten gehört zum Geschenk ihrer Berufung. Sie sind Hörer des WORTES GOTTES "wie die ursprünglichen Augenzeugen" und "seine Diener" (Lk 1,2). Sie bezeugen seine Menschwerdung, sein Leben, seinen Tod, seine Auferstehung und seine bleibende Gegenwart - IHN selbst - ER zeigt sich im Evangelium.


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