Matthäus schreibt nicht, er liest! Voll innerer Sammlung hält er ein geöffnetes Buch in Händen. Sein Gesicht spricht von der Wachheit seines Geistes. Noch läßt sich die lebendige Bewegung erkennen, in der er Platz am Schreibpult nimmt - und schon versunken ist in die Worte, die er liest. Er erkennt sie 'augenblicklich' wieder - als die lebendige Stimme Jesu Christi: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Weltzeit" (Mt 28,20). Von der inneren Kraft der Botschaft, die das Buch bereithält, kündet die ganze Gestalt des Evangelisten. Mit allen Sinnen, allen Geisteskräften ist er gegenwärtig, weil er die Worte Jesu Christi, seines Herrn, vernimmt. Er will sie hören, will IHM selbst begegnen, der in diesen Worten spricht.
Ein Tintenfaß in dem für Schreibarbeit untauglich kleinen Pult 'bezeichnet' Matthäus als den Verfasser des 'ersten' Evangeliums. Doch alles Schreibgerät fehlt hier, das kleine Pult steht unsicher auf seinen Füßen, Stabilität gibt ihm der Fuß des Evangelisten. Vor allem - mit beiden Händen hebt Matthäus das Buch zum Lesen hoch - sich selbst und auch dem Leser des Evangelienbuchs, der sein Bild betrachtet! Denn dieser Leser teilt des Matthäus Situation: Beide haben das aufgeschlagene Evangelium in Händen. Der Leser des Evangelienbuches muß nur ein Blatt umwenden und sich dem WORT des Evangeliums öffnen, er muß die Stimme Christi vernehmen wollen, während seine Augen lesen, was in der Kraft Heiligen Geistes Matthäus niederschrieb. In goldener Aufschrift auf Purpurgrund kündigt die Buchseite neben dem Bild des Evangelisten die Nähe des Heiligen an: "Es beginnt das Evangelium nach Matthäus". Die goldenen Worte dürfen die ganze Seite füllen.
Sich selbst weiß Matthäus als ersten Adressaten seines Evangeliums. Nun hält er es uns hin, den Lesern - im Bild des Evangelienbuchs: Wir dürfen hören und finden, was er gehört und gefunden hat, wenn wir lesen und zugleich hören wie er, Levi - Matthäus, der Apostel und Evangelist -, sensibel, offen.


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